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Samstag, 24. April, kurz nach der Mittagspause: Wir haben das Parkett im Hobbyraum fast fertig, es fehlen nur noch die letzten eineinhalb Reihen. Die wollen Karin und ich vorbereiten, während meine Schwiegereltern das Gästezimmer für die Bodenverlegung klarmachen (reinigen und eine Unebenheit im Estrich abschleifen). Ich stelle die Tischkreissäge meiner Eltern auf den Werktisch (die Aldi-Ausgabe der "Workmate"), messe die zu schneidende Parkettbreite aus und stelle die Anschlagschiene entsprechend ein, zuzüglich eines leichten Übermaßes. Dann schneide ich das erste Parkettpaket (Industrieparkett in Paketen, die mit dünnem Klebeband zusammengebündelt sind). Es ist noch etwas zu breit und ich verstelle die Anschlagschiene um 2mm. Dann lege ich das nächste Paket ein und fange an zu sägen. Plotzlich kippt die Kreissäge nach links vom Werktisch. Ich erhalte einen Schlag gegen die linke Hand. Als ich hinsehe, ist überall Blut. Das Nagelbett des Daumens ist in der Mitte durchtrennt, die Daumenspitze hängt nur noch an einem Stück Fleisch an der Daumenunterseite. Zeigefinger und Mittelfinger sind ebenfalls im mittleren Glied tief eingeschnitten. Trotzdem spüre ich (noch!) keine Schmerzen. Ich rufe nach Karin, die mir gerade den Rückne zudreht und noch nichts bemerkt hat. Sie dreht sich um, erstarrt für eine Sekunde und schreit dann nach ihren Eltern, die sie aber wegen eines laufenden Staubsaugers und der Flex nicht hören. Sie rennt hinaus, während ich mich kontrolliert auf den Boden lege, da ich weiss, dass mein Kreislauf gleich schlapp machen kann. Irgendwann kommt Karin wieder, mit dem Verbandskasten aus dem Auto. Wir diskutieren, ob wir einen Krankenwagen rufen sollen oder meine Schwiegereltern mich fahren. Ich bin für Krankenwagen. Sepp telefoniert, Karin legt mir einen Druckverband an, zuerst am Daumen, dann an Zeige- und Mittelfinger. Die Schmerzen setzen ein, mein Kreislauf lässt nach. Jemand lagert meine Beine hoch. Ich habe Angst wegen des Blutverlustes und fürchte, dass es "ewig" dauert, bis der Notarzt nach Landsham kommt (wo ist denn da der nächste Stützpunkt???) Aber schon nachz kurzer Zeit (so kommt es mit vor) hören wir Sirenen, gleich zwei. Karin ist die ganze Zeit bei mir, ihre Eltern gehen rauf und lotsen den Notarzt runter. Mit ihm kommt auch die Polizei und fast gleichzeitig noch ein Rettungshubschrauber. Der Notarzt öffnet den Druckverband kurz, um die Schwere der Verletzung zu begutachten. Wohin mit mir, Erding oder Bogenhausen? Die Notärzte entscheiden sich für Bogenhausen, dort gibt es eine Station für Handchirurgie. Lufttransport ist nicht nötig. Ich bekome einen Tropf mit Kochsalzlösung. Diskussion: Wie kriegen wir ihn hier raus, die Treppe ist relativ eng. Da ich mich einigermaßen stabil fühle, versuchen wir es zu Fuß. Ich komme recht problemlos die Treppe hoch, bin auf Grund des Adrenalinschocks fast zu schnell für den Notarzt, der hinter mir den Tropf trägt. Ich gehe aus dem Haus zum Notarztwagen. Rundherum stehen inzwischen die Nachbarn. Im Rettungswagen erhalte ich intravenös ein Schmerzmittel. Karin fährt vorne mit, ein Notarzt neben mir. Das Schmerzmittel macht mich schummrig. Nach relativ kurzer Zeit (so kommt es mir vor) sind wir in der Klinik. Ich werde auf dem Gang geparkt. Das Schmerzmittel lässt nach. Irgendwann werde ich zur Behandlung gebracht. Eine Ärztin schneidet Sweatshirt und T-Shirt auf und entkleidet mich, da ich gleich operiert werden soll. Wann ich dasa letzte Mal gegessen hätte? Eineinhalb Brezen, zu Mittag. Zu viel für eine OP. Die Hand wird geröntgt. Die Ärzte (zwei Handchirurgen) entscheiden sich für einen Eingriff unter lokaler Betäubun. Zusätzlich verabreichen sie mir ein Beruhigungsmittel. Obwohl ich das selbst gar nicht registriere, verschlafe ich damit die halbe Operation. Zwei Nächte bleibe ich im Krankenhaus und bekomme Antibiotika. Am Montag mittag erhalte ich eine Schiene für meinen Zeigefinger und werde nach Hause entlassen. Die weitere Behandlung und den Verbandwechsel übernimmt meine Hausäztin. Insgesamt habe ich sehr viel Glück gehabt: Am Zeigefinger war eine Strecksehne durchtrennt, die wieder zusammengenäht ist (deswegen die Schiene). Der Mittelfinger hat nur eine Fleischwunde abbekommen. Nur am Daumen habe ich den Knochen des Endglieds durchgeschnitten, die Knochenspitze wurde entfernt und die teilweise abgetrennte Fingerspitze wieder angenäht. Das hintere Teil des Nagelbetts ist in Ordnung, ob der vordere Teil sich erholt ist noch nicht klar. Der Daumen wird etwas kürzer bleiben (ein paar Millimeter). Die Haut an der Daumenspitze ist derzeit noch gefühllos. Die Dauerschäden werden aber alles in allem nur minimal und eher kosmetischer Natur sein. Noch mal gut davongekommen! Wolfii